In einem TAO-Webinar in Zusammenarbeit mit 2E wurden die Ergebnisse Spaniens über den nationalen Durchschnitt hinaus beleuchtet und erörtert, was diese Erkenntnisse für die Bildungsgerechtigkeit, digitale Gewohnheiten, das Wiederholen von Klassen und die Zukunft der Leistungsbewertung bedeuten.
Die Ergebnisse Spaniens müssen im Kontext betrachtet werden
Die PISA-Ergebnisse lösen in der Regel einen altbekannten Kreislauf aus Schlagzeilen, Ranglisten und Vergleichen aus. Das Webinar „Von den Daten zu den Entscheidungen: Was PISA 2025 für Spanien bedeutet“ verfolgte einen anderen Ansatz. Die von TAO gemeinsam mit 2E Estudios, Evaluaciones e Investigación veranstaltete Veranstaltung befasste sich damit, was hinter den nationalen Ergebnissen steckt und wie Entscheidungsträger im Bildungswesen die Erkenntnisse in konkrete Prioritäten umsetzen können.
Spanien erzielte Durchschnittswerte von 477 in Naturwissenschaften, 457 in Mathematik und 451 im Lesen. Jedes dieser Ergebnisse lag unter dem entsprechenden OECD-Durchschnitt von 482, 463 bzw. 461. Zwischen 2022 und 2025 sank die Leistung in Naturwissenschaften um sieben Punkte – eine Veränderung, die laut OECD statistisch nicht signifikant ist –, während die Leistung in Mathematik um 16 Punkte und im Lesen um 23 Punkte zurückging. OECD-Profil für Spanien
Die Leistungsverteilung macht die politische Herausforderung noch deutlicher. Etwa jeder vierte Schüler lag in den Naturwissenschaften unter Niveau 2, während dies in Mathematik und Lesen bei etwa jedem dritten Schüler der Fall war. Am anderen Ende der Skala erreichte nur ein kleiner Anteil die höchsten Leistungsniveaus. Diese Zahlen weisen auf eine doppelte Herausforderung hin: Die Zahl der Schüler, die sich noch keine Grundkompetenzen angeeignet haben, muss verringert und es müssen mehr Möglichkeiten für fortgeschrittene Leistungen geschaffen werden.
Hinter dem nationalen Durchschnitt verbergen sich zudem erhebliche regionale Unterschiede. Mehrere autonome Gemeinschaften erzielten in den Fächern Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik bessere Ergebnisse, obwohl sie sich hinsichtlich ihrer sozioökonomischen Profile, Migrationsmuster und Wiederholerquoten unterscheiden. Im Webinar wurden diese Unterschiede nicht in Form einer Rangliste dargestellt. Es wurde argumentiert, dass leistungsstarke Regionen auf Praktiken hin untersucht werden sollten, die auch anderswo nützlich sein könnten, wobei jedoch anerkannt wurde, dass keine einzelne Maßnahme ohne Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten übertragen werden kann.
Zusammenhänge sind eher Anzeichen als Beweise für einen Kausalzusammenhang
PISA kombiniert kognitive Leistungsmessungen mit Fragebögen zu den Hintergründen, Einstellungen und Erfahrungen der Schüler. Diese Kontextinformationen tragen dazu bei, die Leistungsunterschiede zwischen den verschiedenen Gruppen zu erklären, belegen jedoch keinen Kausalzusammenhang. Die Referenten haben diese Unterscheidung wiederholt hervorgehoben, als sie die Faktoren erörterten, die am engsten mit den Ergebnissen Spaniens zusammenhängen.
Zu den stärksten positiven Zusammenhängen zählten das Verständnis der Schüler dafür, wie wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen und überarbeitet werden, das Umweltbewusstsein, die Freude an Naturwissenschaften, der sozioökonomische und kulturelle Status sowie der erwartete berufliche Status. Schüler, die verstanden hatten, dass wissenschaftliche Aussagen von Belegen abhängen und sich mit neuen Erkenntnissen ändern können, zeigten tendenziell auch bessere Leistungen in den Fächern Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass wissenschaftliches Denken für den gesamten Lehrplan relevant ist und nicht auf Fachwissen beschränkt ist.
Der sozioökonomische Status stellt nach wie vor eine wichtige Trennlinie dar. Der Leistungsunterschied in den naturwissenschaftlichen Fächern zwischen Schülern aus dem höchsten und dem niedrigsten sozioökonomischen Quartil betrug in Spanien 71 Punkte, verglichen mit 84 Punkten im gesamten OECD-Raum. Der Leistungsunterschied in Spanien ist zwar geringer als der OECD-Durchschnitt, aber dennoch beträchtlich. Das familiäre Umfeld bestimmt zwar nicht das Ergebnis eines einzelnen Schülers, prägt jedoch weiterhin die Ressourcen, Erwartungen und Lernmöglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen.
Digitale Gewohnheiten erfordern präzisere politische Maßnahmen
Eine der am meisten diskutierten Erkenntnisse des Webinars betraf die Nutzung digitaler Technologien durch Schüler in ihrer Freizeit. Die Häufigkeit der IKT-Nutzung unter der Woche und am Wochenende zeigte sich in der von 2E vorgestellten Analyse als einer der stärksten negativen Korrelate zur schulischen Leistung – noch hinter dem Wiederholen einer Klasse.
Auf die Details kommt es an. 35 Prozent der Schüler gaben an, täglich mehr als drei Stunden in sozialen Netzwerken zu verbringen, während die Hälfte angab, keine eigenen digitalen Inhalte zu erstellen oder zu bearbeiten. Im Webinar wurden zudem die Veränderungen bei der Bildschirmnutzung in der Freizeit mit den Veränderungen der Naturwissenschaftsergebnisse in den verschiedenen autonomen Gemeinschaften verglichen. Regionen, in denen die Bildschirmnutzung in der Freizeit zunahm, verzeichneten häufig schwächere Leistungen in den Naturwissenschaften, während sich die Ergebnisse in einigen Regionen, in denen sie zurückging, verbesserten.
Dieses Muster belegt nicht, dass die Bildschirmnutzung die Schwankungen bei den Noten verursacht hat. Es rechtfertigt jedoch eine genauere Betrachtung dessen, was die Schüler online tun, wie lange sie damit beschäftigt sind und welche Aktivitäten dadurch verdrängt werden. Eine pauschale Debatte darüber, ob Technologie gut oder schlecht ist, geht am eigentlichen Problem vorbei. Schulen und Familien müssen den Schülern helfen, ihre Freizeitnutzung zu regulieren und gleichzeitig die Fähigkeit zu entwickeln, mit digitalen Werkzeugen zu recherchieren, zu bewerten, kreativ zu sein und Probleme zu lösen.
Die umfassenderen Ergebnisse der OECD stützen diese Unterscheidung: Eine moderate Nutzung zu Bildungszwecken kann mit besseren Leistungen einhergehen, während übermäßige Nutzung und digitale Ablenkung mit schlechteren Ergebnissen verbunden sind. Lesen Sie den OECD-PISA-2025-Bericht
Das Wiederholen einer Klasse ist nach wie vor ein strukturelles Problem
In der Webinar-Analyse zeigte sich, dass das Wiederholen einer Klasse den stärksten negativen Zusammenhang mit der Leistung aufwies. 22 Prozent der teilnehmenden Schüler in Spanien hatten mindestens eine Klasse wiederholt, verglichen mit 12,9 Prozent in der Europäischen Union und 7,9 Prozent in der OECD. Die Leistungsunterschiede zwischen Schülern, die eine Klasse wiederholt hatten, und denen, die dies nicht getan hatten, beliefen sich in den Fächern Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik auf fast 100 Punkte.
Diese Zahlen sollten mit Vorsicht interpretiert werden. Schüler, die eine Klasse wiederholen, hatten zuvor mit größerer Wahrscheinlichkeit Lernschwierigkeiten, sodass die Leistungslücke nicht allein auf die Wiederholung zurückgeführt werden kann. Die im Webinar angesprochene politische Schlussfolgerung war enger gefasst und praktischer ausgerichtet: Es ist unwahrscheinlich, dass das Wiederholen derselben Klasse mit denselben Methoden das zugrunde liegende Problem allein lösen kann.
Die Referenten sprachen sich für eine frühzeitigere und individuellere Förderung aus, einschließlich der rechtzeitigen Erkennung von Lernlücken, Nachhilfe, methodischer Anpassungen, der Zusammenarbeit mit den Familien und der Unterstützung im Unterricht. Das Wiederholen einer Klasse kann in bestimmten Fällen weiterhin angebracht sein, sollte jedoch erst nach verstärkten Präventionsmaßnahmen erfolgen und nicht als routinemäßige Maßnahme dienen.
Geschlechterunterschiede können sich verschieben
Die Ergebnisse zur Geschlechterverteilung lieferten Belege dafür, dass Leistungsunterschiede nicht unveränderlich sind. Spaniens Leistungsunterschied in den Naturwissenschaften verringerte sich von sieben Punkten im Jahr 2015 auf null im Jahr 2025. Mädchen lagen im Lesen weiterhin mit 26 Punkten vorn, während Jungen in Mathematik mit 14 Punkten führten. Der Leistungsunterschied in Mathematik verringerte sich leicht von 16 Punkten im Jahr 2015, während sich der Leistungsunterschied im Lesen von 21 Punkten ausweitete.
Die Überwindung der Leistungslücke in den Naturwissenschaften ist von Bedeutung, da sie zeigt, dass sich Unterschiede im Laufe der Zeit und über verschiedene Bereiche hinweg verändern können. Der nächste Schritt besteht darin, herauszufinden, welche Unterrichtspraktiken, Erwartungen und Einstellungen der Schüler zu dieser Entwicklung beigetragen haben und ob daraus Erkenntnisse für den Mathematik- und Leseunterricht gewonnen werden können.
Die Leistungsbewertung sollte Wissen und Anwendung miteinander verbinden
Am Ende des Webinars wurde die Frage gestellt, was sich bei der Leistungsbewertung im Bildungsbereich über das Ziel der Verbesserung der Noten hinaus ändern sollte. Die Antwort fiel klar aus: Die Leistungsbewertung sollte weiterhin lehrplanbezogene Kenntnisse messen, aber sie sollte auch aufzeigen, ob die Schüler dieses Wissen in ungewohnten Situationen anwenden können. Mehr kompetenzorientierte Aufgaben können Denkprozesse, Interpretationsfähigkeiten und Problemlösungsfähigkeiten offenbaren, die herkömmliche Fragen zum Auswendiglernen möglicherweise nicht erfassen.
Dies hat Auswirkungen sowohl auf Schulen als auch auf nationale Bildungssysteme. „PISA for Schools“ wurde als eine Möglichkeit diskutiert, mit der einzelne Schulen ihre eigene Leistung und ihre Kontextdaten mit nationalen und internationalen Referenzwerten vergleichen können. Der Nutzen liegt darin, die Ergebnisse mit einem konkreten Verbesserungsplan zu verknüpfen, und nicht darin, eine weitere Rangliste zu erstellen.
Das Durchführungsmodell erweiterte den Umfang dessen, was mit PISA gemessen werden konnte
Miguel Prieto, Vizepräsident für Unternehmensstrategie bei Open Assessment Technologies, beleuchtete anschließend die digitale Infrastruktur hinter PISA 2025. TAO unterstützte mehr als 900.000 Testdurchgänge in 54 Sprachen, darunter auch Schriften, die von rechts nach links geschrieben werden. Mehr als 800.000 Sitzungen wurden online und über 100.000 im Offline-Modus durchgeführt, wobei die Spitzenauslastung bei rund 20.000 Nutzern lag und bei weniger als einem Prozent der Sitzungen technische Probleme auftraten.
Die Online- und Offline-Modelle waren Teil derselben kontrollierten Plattform. Wo die Internetverbindung eingeschränkt war oder lokale Behörden die Daten vor der Synchronisierung überprüfen wollten, konnten die Schulen die Bewertung über einen lokalen Server durchführen und die abgeschlossenen Sitzungen später an das zentrale System senden. Dadurch konnte ein einheitliches Bewertungskonzept unter sehr unterschiedlichen Infrastrukturbedingungen umgesetzt werden.
Durch die zentralisierte Bereitstellung wurde zudem die logistische Abhängigkeit von physischen Datenträgern, wie sie in früheren Zyklen zum Einsatz kamen, verringert. QTI strukturierte die Bewertungsinhalte im Hinblick auf Portabilität und Wiederverwendbarkeit, während LTI die Interoperabilität mit angeschlossenen Systemen unterstützte. Eine gemeinsame Steuerung durch Partner aus den Bereichen Technologie, Inhalte, Lokalisierung und Analyse sorgte dafür, dass die Länder während der gesamten Bereitstellungsphase auf dem Laufenden gehalten wurden.
Die Plattform bot zudem Funktionen, die sich auf Papier nur schwer umsetzen ließen. Dazu gehörten mehrstufige adaptive Lernpfade, fremdsprachliche Aufgaben mit Hör- und Sprechkomponenten sowie Interaktionsdaten auf Ereignisebene, die über die endgültige Antwort hinausgingen. Solche Daten können Forschern dabei helfen, zu untersuchen, wie Schüler an ein Problem herangehen – vorausgesetzt, ihre Auswertung ist valide, transparent und wird verantwortungsbewusst gesteuert.
Schwerpunkte nach PISA 2025
Im Webinar wurden die Ergebnisse in fünf Prioritäten für Führungskräfte im Bildungswesen und für Bewertungsprogramme umgesetzt:
- Die präventive Förderung verstärken, bevor Lernlücken zu einer Wiederholung der Klasse führen.
- Vermitteln Sie digitale Selbstregulierung parallel zum zielgerichteten digitalen Lernen.
- Die Mittel sollten vorrangig den Schülern und Schulen zugutekommen, die mit den größten Hindernissen konfrontiert sind.
- Verwenden Sie Bewertungsmethoden, die Wissen mit praktischer Anwendung verbinden und umfassendere Belege für den Lernerfolg liefern.
- Schaffen Sie eine Bewertungsinfrastruktur, die auf Interoperabilität, flexible Bereitstellung und klare Steuerung ausgerichtet ist.
PISA 2025 liefert Spanien kein einheitliches Rezept für politische Maßnahmen. Vielmehr bietet es eine solidere diagnostische Grundlage. Die nationalen Ergebnisse zeigen, wo sich Druck aufbaut, während die Kontextdaten Gruppen, Verhaltensweisen und systemische Entscheidungen aufzeigen, die einer genaueren Untersuchung bedürfen. Die praktische Aufgabe besteht darin, diese Erkenntnisse früh genug zu nutzen, um die Lernerfahrung der Schüler zu verändern, anstatt auf den nächsten Zyklus zu warten, der dasselbe Muster bestätigt.
Für die Verantwortlichen im Bereich der Leistungsbewertung birgt die Durchführung selbst eine zweite Erkenntnis. Groß angelegte digitale Leistungsbewertungen können die Vergleichbarkeit gewährleisten, auch wenn sie sprachübergreifend, unter unterschiedlichen Verbindungsbedingungen und über institutionelle Strukturen hinweg durchgeführt werden. Die nächste Phase wird ein ausgefeilteres adaptives Design, ein breiteres Spektrum an authentischen Aufgaben, den verantwortungsvollen Einsatz von KI, nachhaltige Betriebsmodelle und die fortgesetzte Berücksichtigung der Chancengleichheit erfordern.
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